Facharbeiter, wo seid ihr? – Meister statt Master

Für Arbeitgeber wird es immer schwieriger ihre Ausbildungsstellen zu besetzen und künftige Nachfolger und Facharbeiter zu finden. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium statt einer Ausbildung. Die Unternehmer kritisieren die zunehmenden akademischen Karrieren der vergangenen Jahre: „Wir brauchen wieder mehr Meister und weniger Master.“

Trend: Studium statt Ausbildung

Die Universitäten in Deutschland sind voll. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Anzahl der Studienanfänger fast verdoppelt:

  • 2002: 37%
  • 2017: 56%

Erst im April errechnete das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln: 314.800 Arbeitskräfte aus den Bereichen: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, fehlen. In Bauberufen, sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen, kommt es ebenfalls zu Engpässen. Betrieben fällt es immer schwerer Nachwuchstalente für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Die Fachkräfte von Morgen bleiben aus.

  • 2016: 43.478 unbesetzte Ausbildungsstellen
  • 2017: 48.937 unbesetzte Ausbildungstellen

Auch der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk, Hans Peter Wollseifer kritisiert den Mangel an Informationen rund um die Berufsausbildung. Es soll nicht nur über rund 15 Handwerksberufe in Schulen informiert werden. Denn mittlerweile gibt es 130 verschiedene Handwerksberufe mit ganz verschiedenen Herausforderungen. Er ist fest überzeugt davon, dass Schüler mit ein bisschen Unterstützung und einem entsprechenden Talent einen Beruf finden, der sie in der Zukunft weiterbringt.

Studienabbrecher

Weit verbreitet ist der Gedanke, dass ein Studium besser als eine Ausbildung ist. Doch viele der Studenten merken während ihres Studiums, dass ihnen das Studienfach eigentlich nicht liegt oder einfach keinen Spaß macht. Das Fach wird gewechselt oder ein neues Studium begonnen. Erschreckend ist auch, dass fast jeder dritte Bachelor Student im Studium scheitert.Die Enttäuschung nach dem Bachelor oder dem Master Studium ist oft groß: eine nervenzehrende Jobsuche. Langes Gesuche, schlechte Bezahlung und gerade einmal sechs Prozent der Bachelor Absolventen ohne Berufserfahrung schaffen den direkten Anschluss ins Berufsleben.

Auch Julian Nida-Rümelin, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat bei seinen Schülern einen deutlichen Trend bemerkt: In Kultur-, Natur- und Geisteswissenschaften sieht der Verdienst ca. zwei Jahre nach dem Studium nicht so rosig aus: weniger als 20.000 Euro brutto im Jahr. Außerdem beobachtet er einen wachsenden Anteil an Juristen, die nicht als Juristen arbeiten. Mittlerweile sind es sogar ca. ein Drittel, die auf andere Berufsfelder zurückgreifen müssen. Bei dem Massenfach BWL sieht die Lage nicht besser aus, Philosophie und weitere Studiengänge folgen diesem Trend ebenso.

Viele Abiturienten, weniger Facharbeiter

Für die Politik war die Lösung klar: Facharbeiter finden funktioniert mit mehr jungen Menschen, die studieren. Internationale Vergleiche über Akademiker Raten oder Abiturquoten wurden immer wieder diskutiert. Angefangen hat es mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Deutschland eine „Akademisierungslücke“ unterstellt hat. Deutschland hat laut Statistik weniger Hochschulabsolventen als andere Länder. Das Problem bei dieser Bilanz ist jedoch, dass Schulabgänger in Deutschland, die eine Berufsausbildung machen, falsch eingeordnet werden. Sie können im Gegensatz zu anderen Ländern Berufe in ihrer Ausbildung erlernen, die sonst einen akademischen Abschluss erfordern würden.

Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit

Oft wird Deutschland in der Bildungspolitik mit den Ländern Schweden und Finnland verglichen. Dort ist die Akademiker Quote höher, jedoch auch die Jugendarbeitslosigkeit. Im Jahr 2017 sind über 20 Prozent der Jugendlichen von Arbeitslosigkeit betroffen.

Deutschland : 6,8 %
Schweden : 17,8 %
Finnland : 20,1%

Gleiche Chancen

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat eine Studie veröffentlicht, die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vorgestellt wurde. Aus dieser geht hervor, dass die Chancen von Absolventen einer Berufsausbildung, wie Meister oder Fachwirt gleich zu denen der Arbeitnehmer mit Bachelor- oder Master-Abschluss sind. Zudem hat die Studie gezeigt, dass für die meisten Unternehmen bei einer Beschäftigung mit Führungsverantwortung, ein Hochschulabschluss keinesfalls Pflicht ist.

Fachkräfte werden rares Gut

Die Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zeigt auch, dass 440.000 Fachkräfte fehlen. Laut einer Prognose-Untersuchung werden im Jahr 2030 um die 3 Millionen Facharbeiter fehlen . Heute könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland schon um bis zu 30 Milliarden Euro gestiegen sein, wenn diese Stellen besetzt wären. Eine Umfrage ergab: 60 Prozent aller Betriebe werten den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko.

Nachfolger gesucht

Für viele Geschäftsführer ist klar: das Unternehmen soll weitergeführt werden, wenn die Rentenzeit ansteht. Doch nicht jeder hat Familienmitglieder, die bereit dazu sind, diese Aufgaben zu übernehmen. Arbeitgeber brauchen Menschen mit Berufserfahrung und einen Chef, der sein Handwerk versteht und mit anpackt. Im Jahr 2022 werden geschätzte 150.000 Firmen mit guter Substanz zu übernehmen sein. Eine Chance für Auszubildende, die nach ihrem Meister oder Fachwirt im Betrieb bleiben und dort Karriere machen wollen.

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